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Zeitungsartikel in der «Südostschweiz»
Ein Bündner Künstler
sorgt fürs Aussehen
Marcel Reich gestaltet das Erscheinungsbild für DJ Bobos neue CD «Planet
Colors»
In der Zeitungs- und Werbebranche ist der in Trin aufgewachsene Illustrator Marcel
Reich kein Unbekannter mehr. Nun setzt er mit der Gestaltung von DJ Bobos neuem Tonträger
«Planet Colors» noch einen drauf und ist möglicherweise auf dem
Weg, international bekannt zu werden.
Auch auf seiner neuesten CD setzt der Aargauer DJ Bobo auf sein bewährtes musikalisches
Konzept, und der Erfolg gibt ihm Recht dabei. Das Erscheinungsbild von «Planet
Colors» jedoch präsentiert dem Publikum einen neuen DJ Bobo: Sein Gesichtsausdruck
ist ernst und geheimnisvoll. Aus einem Farbenmeer hinaus scheint sein Blick aufzufordern,
in seine Welt einzutauchen. Fast «psychedelisch» anmutend, wird man an
Andy Warhol erinnert.
Dieses neue Auftreten entstand unter der massgeblichen Beteiligung des freischaffenden
Illustrators Marcel Reich. In der Zeitungs- und Werbebranche ist der in Zürich
arbeitende Bündner kein Unbekannter mehr, stellt er seine Fähigkeiten doch
regelmässig in die Dienste verschiedener Werbeagenturen, publiziert aber auch
Arbeiten in der Tagespresse.
Bereits während der
«Stifti» erfolgreich
Für Aufsehen in der Presse sorgte er jedoch bereits 1990. Damals noch in der
Grafikerausbildung bei der Churer Werbeagentur Trimarca AG, prägte er mit seinem
Plakat für das Davoser Hotel «Davos Face» das Gesicht der Zeit.
Diese Arbeit fand auch in der Werbefachpresse besondere Beachtung: So zählte
sie Karl Wobmann zu den «Neuen herausragenden Plakaten» des Jahres 1990.
Das «Davos Face» ist es auch, das DJ Bobo und Marcel Reich zusammenführte.
Während des Entstehungsprozesses zu «Planet Colors» wurde anfänglich
versucht, die Idee mit den schrillen Farben fotografisch umzusetzen. Als es nicht
gelang, den gewünschten Effekt zu erzielen, erinnerte sich der Sänger an
das Davoser Hotel «Face», wo er zu Beginn seiner Karriere bereits einmal
aufgetreten war. In Bobos Archiv fand sich dann auch eine Broschüre des Hotels
und Marcel Reich wurde kontaktiert. Dem Illustrator gelang es, mit einer speziellen
Aquarelltechnik die gewünschte Atmosphäre zu schaffen. Das Design von Marcel
Reich steht auch im Mittelpunkt des neuen Erscheinungsbildes von DJ Bobo, ist das
zentrale Identifikationsmerkmal für alle Werbemittel der «Planet Colors
Tour» und hat auch wesentliche Bedeutung für das Konzept der neuen Bühnenshow.
«Es war eine aufregende Aufgabe, für einen international bekannten Star
der Popszene das Erscheinungsbild zu gestalten», sagte Reich auf Anfrage.
Seriöse Ausbildung
Marcel Reich wurde am 15. Mai 1970 in Chur geboren. Aufgewachsen ist er in Trin.
Nach dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in St. Gallen absolvierte Reich eine Grafikerausbildung
in Chur und Zürich. Zurzeit lebt und arbeitet der Bündner in Zürich
und übt den Beruf als Illustrator und Maler aus.
Technisch versiert
Marcel Reich bedient sich bei seinen Arbeiten verschiedenster Techniken. so kennt
er sich in der Tuschzeichnung bestens aus. Als Aquarellist ist er meisterhaft und
auch Gouache, Ölfarben, Acryl, Ölkreide, Schabtechnik sowie diverse Mischtechniken
beherrscht er bestens.
Als gelernter Grafiker benutzt Reich auch den Computer und erstellt mit den Programmen
Free-Hand oder Photoshop Illustrationen für Plakate, Inserate, Broschüren,
CD-Covers oder Web-Sites. Reich konnte in seiner noch kurzen, aber erfolgreichen
Karriere Illustrationen, Cartoons und Comics in verschiedenen Zeitungen und Magazinen
(«Tages-Anzeiger», «Computerworld», «ABB Forum»
oder im «Piz Magazin») publizieren. Bereits 1991 nahm der damals 21-jährige
Marcel Reich an einer Gruppenausstellung teil: «Bündner-Comic-Künstler»
hiess die Exposition, wo Reich zusammen mit bekannten Künstlern wie H. R. Giger,
Andrea Caprez, Gaspare O. Melcher und anderen seine prägnanten Comics präsentieren
konnte. 1993 folgten zwei Einzelausstellungen «Malerei und Zeichnungen»
in der Galerie Planaterra in Chur, 1996 zeigte Reich Malerei und Zeichnungen in der
«Eisenbeiz» in Frauenfeld und nahm an einer Gruppenausstellung junger
Künstler in der Shedhalle der Landis & Gir in Zug teil.
Mehrfach ausgezeichnet
Der in Chur auch als Sänger und Mitbegründer der Hardcore-Band Dioxin sowie
der Hardcore/Metal-Band Intoxicate bekannte Reich ist auch für seine Vielseitigkeit
bekannt. So zeichnete er zum Beispiel das Storyboard für den Spielfilm «Love
Games» von Mike Eschmann.
1990 wurde er von der Fachzeitschrift «Werbe-Woche» für das Plakat
«Hotel Davos Face» ausgezeichnet, und 1998 erhielt Marcel Reich den European
Regional Design Award (Print Magazine/Rotovision Publishing) für das Theaterplakat
«Die Kurve».
Copyright © by Südostschweiz Presse AG
Artikel in der "WerbeWoche"
«Ich löse jede
Aufgabe»
Der Illustrator Marcel Reich mag die handwerklichen Fähigkeiten in der Kunst
und hat deshalb ein Faible für die grossen Meister der Renaissance oder für
zeitgenössische Maler wie Georg Baselitz oder Heike Ruschmeyer. Kein Wunder,
zeichnen sich auch Marcel Reichs Arbeiten durch solides Handwerk aus - und durch
eine stupende Stilvielfalt.
"In der Kunst sind handwerkliche Fähigkeiten nicht mehr gefragt",
konstatiert Marcel Reich, "das kommt vielleicht wieder." Da er etwas auf
technisches Können hält, hat er sein Tätigkeitsfeld zwischenzeitlich
auf die Illustration verlegt. Seine Stärke in der Werbeillustration besteht
darin, dass er über ein grosses Repertoire an Techniken und Stilen verfügt,
um unterschiedliche Aufgabenstellungen optimal umzusetzen. "Ich löse jede
Aufgabe, die irgendwie mit Illustration zu tun hat", sagt Reich, der seine Dienste
natürlich auch für Storyboards und Layout-Illustrationen anbietet.
Entstehen auf der einen Seite eher fröhliche, humorvolle, aber auch schräge
Illustrationen für die Werbung, bringt Marcel Reich in seinen persönlichen
Bildern seine ureigene Bilderwelt zum Ausdruck. Er neige zum Morbiden, sagt der Bündner,
"die dunkle Seite des Menschen interessiert mich". Tatsächlich ist
in vielen seiner persönlichen Arbeiten ein düsterer Zug auszumachen. Vielleicht
bringt das jemand, der in Trin zwischen Chur und Flims in den Bergen aufgewachsen
ist, einfach als gegeben mit. Wo Berge Schatten werfen, wird man sich vielleicht
auch der eigenen eher bewusst.
H. R. Giger ist mit seinen apokalyptisch düsteren Bildern den Weg der Schatten
schon fast prototypisch vorangegangen. Dem Alien-Kreator ist mit seiner konsequenten
Schwarzmalerei weltweit Erfolg beschieden, bloss in seinem Heimatkanton wurde ihm
bis heute keine breite Anerkennung zuteil. Dafür immerhin eine schmale: Marcel
Reich war ein "grosser Giger-Fan", der sein ehemaliges Vorbild heute immer
noch als "sehr interessant" bezeichnet.
Elvis, Heavy Metal und Urtiere
Bevor der Illustrator 1995 nach Zürich kam, um in der Werbemetropole sein Glück
zu suchen, wirkte er unter anderem 1991 an der von Walter Lietha organisierten Ausstellung
"Bündner Comic-Künstler" mit und zeichnete für Alpodrom
— Fahrendes Theater Graubünden ebenso wie für das Bündner Tagblatt,
das Piz-Magazin und das Davoser Hotel Face. In Chur war er aber auch in anderer Hinsicht
verwurzelt: Als Sänger und Songwriter spielte er in Punk- und Heavy-Metal-Formationen,
die einschlägige Namen wie Dioxin und Intoxicate trugen, und setzte sich mit
dem politischen, antifaschistischen Hintergrund der Szene auseinander.
Um sich voll aufs Zeichnen konzentrieren zu können, hörte Marcel Reich
mit der Musik auf, als er nach Zürich übersiedelte. Interessanterweise
ist seither Elvis wieder aus den Tiefen der Kindheit aufgetaucht, der ihn heute vor
allem wegen des Kults interessiert, der um ihn getrieben wird. "Wenn wieder
Musik", so meint er, "dann lieber etwas Experimentelles. Eine schräge
Hommage an Elvis beispielsweise."
Passend zu den schrägen Neigungen in Musik und Malerei ist seine Vorliebe für
ein Tier, das er schon in allen Variationen gemalt, skizziert und gezeichnet hat:
für den Dinosaurier. Notabene war seine Faszination schon da, bevor das Urtier
als Ausstellungsobjekt, Plüschtier und "Filmstar" ein seltsames Comeback
feierte. Die stummen Zeugen der Vergangenheit regen ihn dazu an, über die Vergänglichkeit
und die Relation von Zeitaltern nachzudenken und sich ein Bild der Erde auszumalen,
das über die historisch kurze Spanne, die wir zu überblicken gewohnt sind,
hinausreicht. "Die Dinos beherrschten während 150 Millionen Jahren den
Planeten. Der Mensch ist vergleichsweise erst seit kurzer Zeit präsent und hat
es bereits fertig gebracht, das ganze Ökosystem durcheinander zu bringen."
Wer wie Marcel Reich bereits mit 26 eine dicke Arbeitsmappe vorzuweisen hat, ist
mit der Malerei eine ernsthafte Liaison eingegangen. Nach dem Vorkurs der Kunstgewerbeschule
St.Gallen absolvierte Reich eine Grafikerlehre bei der Churer Werbeagentur Trimarca.
Während die Werbung anfangs, wie er gesteht, eher eine Möglichkeit war,
Geld zu verdienen, wächst seine Leidenschaft mit dem Tun und mit der Zusammenarbeit
mit bemerkenswerten Leuten aus der Branche.
Bei Seiler DDB, Zürich, wo er 1995 als Junior Art-Director angestellt war, bevor
er sich im gleichen Jahr selbständig machte, engagierte er sich zusammen mit
Rodolphe Deville für eine Antirassismus-Kampagne, zeichnete aber auch für
Jaguar, Telepage und im Auftrag von Pucci Sulzer für Biber-Papier. Für
Seiler DDB entwickelte er - unverwirklichte - Vorschläge wie die "Eiszeit"
von Frisco als eigene Welt dargestellt werden könnte. Bezeichnenderweise arrangierte
der Bündner die Cornets wie ein Bergpanorama.
Von Giulia Pompeo
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